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Handlungsgrundsätze

Lebensbedingungen von Mädchen und jungen Frauen

Die Bedarfslagen von Mädchen und jungen Frauen im Bereich Bildung ergeben sich aus den Ergebnissen der Mädchen- und Frauenforschung zu den Lebensbedingungen, Erfahrungen und zentralen Herausforderungen von Mädchen und jungen Frauen heute.

Lebensbedingungen von Mädchen und jungen Frauen mit Behinderung

Die Lebenssituation von Mädchen und jungen Frauen mit Behinderung ist besonders geprägt von Diskriminierungen und Benachteiligungen.
Mädchen und junge Frauen mit Behinderung haben die schlechtesten Bildungsabschlüsse, den höchsten Anteil an Personen ohne Ausbildungsabschluss und eine höhere Erwerbslosenquote.
Noch dazu sind sie doppelt so oft von sexualisierter Gewalt betroffen als Frauen ohne Behinderung. (Verweis Expertise/pdf-Download ca. 450KB) Aus diesen Fakten ergibt sich ein unbedingter Handlungsbedarf.

Zwischen neuen Wahlmöglichkeiten und alten Beschränkungen

Der gesellschaftliche Wandel der letzten Jahrzehnte hat für Mädchen und junge Frauen eine Vielzahl an neuen Lebensentwürfen sowohl im privaten wie auch im beruflichen Bereich hervorgebracht. Dennoch halten sich gleichzeitig äußerst wirksame traditionelle Rollenvorschriften und Diskriminierungsstrukturen. Mädchen und junge Frauen gestalten ihr Leben zwischen diesen beiden Polen.
Mädchen und junge Frauen mit Behinderung sind zudem von doppelter Diskriminierung betroffen – zum einen werden sie in ihrer Rolle als Frau und zum anderen als Behinderte benachteiligt.

Individualisierung und Ungleichheitstabu

Da Chancengleichheit und Gleichberechtigung als Kennzeichen der Moderne gelten, dürfen geschlechtsspezifische Diskriminierungserfahrungen nicht benannt werden. Sie werden stattdessen individualisiert. Die Schuld am Scheitern wird in die Person des Mädchens oder der Frau hinein gelegt oder von dieser hinein genommen. Die Benennung von Ungleichheit und Diskriminierung wird deswegen oft vermieden.

Sexuelle Gewalt

Mädchen und Frauen sind noch immer in großer Zahl von sexueller Gewalt betroffen. Gleichzeitig wird die Ausübung sexualisierter Gewalt sowohl in ihrer körperlichen wie auch in ihrer verbalen Form häufig bagatellisiert. Dies führt dazu, dass Mädchen und junge Frauen diese Erfahrung nicht mitteilen oder bestimmte (öffentliche) Räume nicht einnehmen.

Androzentrismus und Abwertung weiblicher Kultur

Nach wie vor werden Arbeits- und Gesellschaftsbereiche sowie Fähigkeiten und Eigenschaften, die traditionell Männern zugeschrieben werden, gesellschaftlich höher bewertet. Die Leistungen und Kulturbeiträge von Mädchen und Frauen bleiben oft unsichtbar oder werden gering geschätzt.

Unterschiedlichkeit von Mädchen und Frauen

Neben der Kategorie Geschlecht bestimmen weitere Bedingungen das Leben von Mädchen und jungen Frauen, die große Unterschiede zwischen Mädchen und jungen Frauen produzieren können. Armut, Migrationserfahrung, kulturelle Zugehörigkeit, sexuelle Orientierung oder Behinderung stellen weitere strukturelle Einflussfaktoren dar.

Allgemeine Zielsetzung

mira macht Bildungsangebote für Mädchen und junge Frauen zu unterschiedlichen Fragestellungen/Bedarfslagen. Ziel ist die Unterstützung von Selbstbestimmung und die Förderung persönlicher, sozialer und politischer Kompetenzen der Mädchen und jungen Frauen sowie die Förderung ihrer gesellschaftlichen Teilhabe, die Sichtbarmachung von Mädchen- und Frauenkultur und die Herstellung von Solidarität und gegenseitiger Wertschätzung und Unterstützung von Mädchen und Frauen untereinander. Die Bildungsarbeit von mira zielt auf die Eröffnung neuer Handlungsspielräume und leistet einen Beitrag zu mehr Geschlechtergerechtigkeit.

Gleichheit, Differenz und Konstruktion

Die Bildungsangebote von mira greifen gleichermaßen auf die Perspektiven der Gleichheit, der Differenz und der Konstruktion zurück. Auf die Perspektive der Gleichheit deswegen, weil es um die gleichberechtigte Teilhabe von Mädchen und jungen Frauen an der Gesellschaft geht, Diskriminierungsstrukturen benannt und Handlungsmöglichkeiten erarbeitet werden. Die Perspektive der Differenz kommt zum Tragen, weil weiblich zugeschriebene Eigenschaften und Handlungsfelder wahrgenommen und positiv bewertet werden und die Leistung von Mädchen und jungen Frauen öffentlich sichtbar gemacht wird. Die Perspektive der Konstruktion wird wirksam, indem Geschlecht im Sinne von Gender als sozial konstruiert gedeutet wird. Dabei wird neben der Wirksamkeit von gesellschaftlichen Machtverhältnissen auch die jeweils individuelle Ausgestaltung der Geschlechterrolle der Mädchen und jungen Frauen in den Mittelpunkt gestellt.

Parteilichkeit

Parteilichkeit bedeutet die offene und bewusste Parteinahme für die Interessen von Mädchen und jungen Frauen auf allen Ebenen. Für die Ebene der Bildungsangebote heißt Parteilichkeit die Mädchen und jungen Frauen in ihren Äußerungen und mit ihren Entscheidungen ernst zu nehmen und sie in ihren Lösungsversuchen zu achten. Hier geraten sowohl die (zum Teil einschränkenden) Lebensbedingungen wie auch die (möglichen) Handlungsspielräume in den Blick. Auf der Ebene von Politik und Planung bedeutet Parteilichkeit sich für die Schaffung geschlechtergerechter gesellschaftlicher Verhältnisse einzusetzen.

Schaffung von Mädchenräumen

Um gleichberechtigte Teilhabe von Mädchen und jungen Frauen möglich zu machen, brauchen sie Räume, die ihnen gehören. Dies ist Grundlage dafür, dass Mädchen sich ausdrücken und ihre Stimme erheben sowie dafür, sich auszutauschen und untereinander Bezug zu nehmen. Es geht weiterhin darum, Mädchen Zutritt zu den öffentlichen Räumen zu schaffen, zu denen sie über nur eingeschränkte Zugangsmöglichkeiten verfügen (etwa im Bereich Kunst, Kultur, Politik). Drittens geht es um die Sichtbarmachung der Kultur von Mädchen und jungen Frauen im öffentlichen Raum wie auch um die symbolischen Räume für Mädchen und junge Frauen in Institutionen oder in der Planung.

Mädchenpolitik

Mädchenarbeit bedeutet nicht nur auf der Ebene der konkreten Angebote zu agieren, sondern sich auch auf übergeordneter Ebene für die Interessen der Mädchen und jungen Frauen einzusetzen. Hier ist insbesondere die Einforderung von Mädchenarbeit als eigenständigem Arbeitsansatz, eigenen Räumen und Ressourcen wie auch die Verankerung der Querschnittsaufgabe Mädchenarbeit in der Kinder- und Jugendhilfe gemeint.

Zielgruppe

Die Bildungsangebote von mira richten sich an alle Mädchen und jungen Frauen in München. Damit sind Mädchen und junge Frauen mit und ohne Migrations- und unterschiedlichem kulturellem Hintergrund, Mädchen mit und ohne Behinderungen, Mädchen mit unterschiedlichem Bildungsgrad und aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen sowie lesbische, bi- und heterosexuelle Mädchen und junge Frauen gemeint.

Methodik

Die Angebote von mira finden in geschlechtshomogenen Gruppen statt. Die Arbeitsweise ist ziel- und lösungsorientiert, speist sich aus dem systemischen Ansatz, setzt an den Möglicheiten und Fähigkeiten der Mädchen und jungen Frauen an und nimmt Bezug auf die unterschiedlichen Lebensbedingungen der Zielgruppe.

 

Interview mit Uschi Holzhauser

 
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