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Jung, schön, behindert

Zur Ausstellung „Blütezeit – von der Sehnsucht nach Schönheit“

Die Fotografien dieser Ausstellung zeigen die Portraits junger Menschen. Schöner junger Menschen. Diese Jugendlichen sind körperbehindert. Das bedeutet, dass sie in der Öffentlichkeit in der Regel auf ihre Behinderung reduziert und nicht als Mann oder Frau wahrgenommen werden. Am Anfang dieses Fotoprojekts stand daher der Wunsch der Jugendlichen den Rollstuhl einmal außer Acht zu lassen. Sie wollten zeigen, was in ihnen steckt und wer sie eigentlich sind. Mit nur ein wenig Styling wurde ihre Persönlichkeit hervorgehoben und „zur Blüte gebracht“.

„Von der Sehnsucht nach Schönheit“ greift die Poesie der Bildersprache auf und macht den Wunsch nach Anerkennung ihrer Persönlichkeit und ihrer Ausstrahlung deutlich. Diese Ausstellung zeugt vom Selbstbewusstsein körperbehinderter Menschen. Sie will dazu beitragen, gesellschaftliche Werteschablonen wie die Gleichsetzung von Jugendlichkeit mit Schönheit und dem Ausschluss von Behinderung und Schönheit zu hinterfragen.

Text von Dorothee Mammel


Porträts junger Frauen mit Behinderung, fotografiert in Schwarz-Weiß


Petra Hayes

Die Fotografin der Ausstellung „Blütezeit – von der Sehnsucht nach Schönheit“ (1974 geboren) ist Sozialpädagogin und arbeitet seit Jahren mit den künstlerischen Ausdrucksformen der Fotografie. Die Fotografien für „Blütezeit“ entstanden im Rahmen ihrer beruflichen Arbeit in den Jahren 1999 bis 2000. Sie wurden in einer Außenwohngruppe für Jugendliche und junge Erwachsene der Stationären Wohngruppen GmbH der Stiftung Pfennigparade mit einer analogen Spiegelreflexkamera aufgenommen. Die Stiftung Pfennigparade ist eines der größten Rehabilitationszentren für Menschen mit Behinderung in Deutschland.

Porträts junger Frauen mit Behinderung, fotografiert in Schwarz-Weiß

Ich zeig' dir die Welt wie sie mir (nicht) gefällt!

Fotoprojekt | 2008

Zwanzig Fotos entstanden während eines Fotoprojekts, das mira an drei Münchner Realschulen angeboten hat. Wir wollten erfahren, wie sieht die Welt von Mädchen mit und ohne Behinderung aus, was ist ihnen wichtig, was erscheint unerreichbar, was schreckt sie ab oder was hätten sie in ihrer Er-Lebenswelt gern anders? Und: Das Fotoprojekt sollte den Mädchen die Möglichkeit geben, ihre Sicht der Welt öffentlich zu machen.

Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahre der Artur-Kutscher-, der Balthasar-Neumann- und der Ernst-Barlach-Realschulen wurden von Barbara Stenzel, Fotodesignerin und Redakteurin, an jeweils drei Nachmittagen an Ästhetik und Wirkung von Fotografien sowie an die Technik der digitalen Fotografie herangeführt.

Am 18. Juni 2008 wurden die Fotografien auf einer Vernissage in den Räumen von mira den Beteiligten, ihren Eltern, Freunden und Freundinnen präsentiert und die besten Bilder prämiert.


Unser Dank geht an:

  • das Jugendkulturwerk, besonders an Michael Wiegel, und der Zeitschrift Jolie, die das Projekt finanziell unterstützt haben
  • die Jury, die sich Zeit genommen hat, die ausdrucksvollsten Bilder auszuwählen:
    Ina Ettlinger, Künstlerin
    Karin Hoefling, Dipl.-Designerin
    Verena Kathrein, Fotografin
    Sabine Klem, Fotografin
  • die Schulleitungen und Lehrerinnen, die dem Projekt sehr interessiert und mit großem Engagement begegneten
  • die Schirmherrin des Fotoprojekts, der Stadträtin Jutta Koller, die immer offen ist, wenn es darum geht, Mädchen eine politische Öffentlichkeit zu geben
  • die Buchherstellung WIGEL und Katja Kühne für ihre hilfreiche Unterstützung.