Mädchen haben ihre Berufsorientierung mit den gesellschaftlichen Anforderung an Weiblichkeit in eine Balance zu bringen. Die allgemeine Individualisierung der Lebensentwürfe, die für die Mädchen einen verstärkten Anspruch auf Selbstbestimmung, Gleichheit und eigenständige Existenzsicherung bedeuten, verstärken das Spannungsfeld Beruf versus Familie.
Der Soziologe Karl Ulrich Mayer sieht Bildung als das bestimmende Thema des 21. Jahrhunderts. Sie entscheidet über die individuelle Lebensführung, die Eingliederung des Einzelnen in eine immer komplexere Gesellschaft sowie über die beruflichen Einstiegs- und Aufstiegschancen. Weitere Informationen sind unter den Stichworten Teilnehmerinnenorientierung, Ressourcenorientierung und Lernen zu finden.
Chancengleichheit heißt nicht Gleichbehandlung, sondern bedeutet, Mädchen und Jungen spezifische Start- und Rahmenbedingungen zu schaffen, die Chancengleichheit ermöglichen.
Die Differenzperspektive sieht im Bestreben, Gleichberechtigung durch die Herstellung von Gleichheit herstellen zu wollen, die Gefahr, dass der männliche Lebensentwurf zum Maßstab genommen wird. Sie hebt deswegen die Unterschiede bei gleichzeitiger besonderer Wertschätzung des Weiblichen hervor. Ziel ist das Stärken, Betonen und Sichtbarmachen weiblicher Kultur. mira definiert sich sehr stark aus dieser Perspektive. Es werden spezifische Inhalte, Methoden und Settings für die Mädchenseminare entwickelt, die sich aus den spezifischen Bedürfnissen und Lebenslagen von Mädchen ergeben.
Der doppelte Lebensentwurf von Mädchen und Frauen umschreibt, dass sich Mädchen und Frauen in ihrer Lebensplanung gleichzeitig an Familie und Beruf orientieren (müssen). Damit verbunden sind oft Entscheidungen für familien-kompatible Berufe in Teilzeit, die zeitlich und örtlich klar definiert sind, aber auch schlechtere Bezahlungen und Aufstiegsmöglichkeiten bieten. Dieser Prozess der doppelten Orientierung beginnt bereits sehr früh im Lebenslauf und fordert eine hohe Integrationsleistung von Mädchen und Frauen.
Ganzheitlichkeit definiert die Mädchen nicht nur als Opfer, sondern begreift diese auch als Handelnde. Ganzheitlichkeit fordert die Komplexität ihrer Lebenszusammenhänge und deren Wechselwirkung mitzudenken sowie didaktisch alle Sinnesformen anzusprechen.
Gender kommt aus dem Englischen und bezeichnet das gesellschaftlich, sozial und kulturell hergestellte Geschlecht in Abgrenzung zum biologischen Geschlecht. Es wird sowohl gesellschaftlich als auch individuell hergestellt und ist veränderbar. Geschlecht dient als Regulierungsfolie weiter Bereiche menschlichen Zusammenlebens und ist darüber hinaus verhaltensnormierender und handlungsorientierender Faktor.
Gendermainstreaming ist eine Verwaltungsrichtlinie und Strategie zur Herstellung der Gleichstellung von Männern und Frauen. Gendermainstreaming wurde 1999 durch die Unterzeichnung des Amsterdamer Vertrages (EU) von der Bundesregierung als Leitprinzip übernommen und muss bei allen gesellschaftlichen Vorhaben berücksichtigt werden. Dabei sollen jegliche Anliegen, wie zum Beispiel Mittelverteilungen, Strukturveränderungen auf ihre geschlechtsspezifische Relevanz für Männer und Frauen überprüft und die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern berücksichtigt werden.
Neue Ansätze der Sozialisationsforschung gehen davon aus, dass Geschlechtlichkeit im Sinne von Gender in sozialen Prozessen angeeignet oder erworben wird. Das stellt Alltagstheorien über Geschlecht in Frage, denen zufolge bestimmte Eigenschaften als naturgegeben weibliche oder männliche Wesensmerkmale gelten. Diese Zuschreibungen bezüglich der Eigenschaften vermitteln einerseits Sicherheit, engen aber gleichzeitig ein und produzieren Benachteiligungen. In den Seminaren von mira wird die geschlechtsspezifische Sozialisation angesprochen und in bezug zu den Schülerinnen gestellt.
Unser kulturelles System setzt zwei Geschlechter mit denen jeweils verschiedene Eigenschaften, Fähigkeiten und auch Zuständigkeiten verbunden werden. Diese Zuschreibungen sind gleichzeitig nicht neutral, sondern mit Wertungen verbunden. Dabei gilt das männlich Zugeschriebene als höherwertig. Trotz Veränderungen in den letzten Jahren bestehen nach wie vor typische Unterschiede im Leben von Frauen und Männern. Chancenungleichheit und fehlende Gleichstellung kennzeichnen auch heute noch die weibliche Lebenssituation. Die soziale Ungleichheit zwischen den Geschlechtern resultiert vorrangig aus der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung sowie der damit verbundenen ökonomischen Abhängigkeit von Frauen.
Geschlechtsreflektierte Pädagogik basiert auf der Annahme, dass Mädchen und Jungen verschiedene Lebensrealitäten und Rollenerwartungen erfahren. Dieser unterschiedlichen Lebensrealität wird mit adäquaten Methoden und Zielformulierungen begegnet. Ziel geschlechtsreflektierter Pädagogik ist der Abbau von geschlechtsspezifischen Benachteiligungen und die Schaffung von Feiräumen in der Identitätsentwicklung von Mädchen und Jungen. Geschlechtsreflektierte Pädagogik teilt sich in drei Bereiche auf: Mädchenarbeit, Jungenarbeit und reflektierte Koedukation in geschlechtsgemischten Settings.
Die neue Frauenbewegung machte erstmalig die Analyse und die Kritik am herrschenden Patriarchat zum gesellschaftlichen Thema. Sie machte deutlich, wie durch patriarchale Strukturen Mädchen und Frauen benachteiligt werden, zeigte strukturelle Gewalt gegen Mädchen und Frauen auf und definierte die bislang individualisierten Auswirkungen von Männergewalt als gesellschaftliches Problem. Aus dieser Perspektive heraus entwickelte die Frauen- und Mädchenpolitik sowie die Mädchenarbeit das Ziel der Gleichheit und Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Die Thematisierung von Benachteiligung und Ungleichheit sowie das Ziel der Herstellung von Gleichheit findet sich bei mira sowohl in speziellen Angeboten, wie zum Beispiel in Workshops zu sexualisierten Übergriffen am Arbeitsplatz wie auch in strukturellen Überlegungen bei Planungen jedweder Leistung.
Identitätsorientierung als didaktisches Prinzip bedeutet, dass soziale Arbeit darauf zielt, Adressatinnen zu befähigen, ihr Leben möglichst selbständig zu bewältigen und sinnerfüllt zu gestalten. Es genügt nicht, lediglich Wissen und Fähigkeiten zu vermitteln, sondern die Teilnehmerinnen und deren innere und äußere Lebensgeschichte müssen ins Zentrum gesetzt werden.
Die reflektierte Jungenarbeit bietet neue und alternative Bedingungen sowie Lernfelder, um ein Gegengewicht zu den traditionellen, stereotypen – meist engen – Männlichkeitsmodellen zu schaffen. In der Jungenarbeit bieten vor allem die Beziehungsarbeit sowie ein gewisser Frei- und Erlebnisraum die nötige Plattform, um neue Modelle, Vorbilder und Identifikationsfiguren zu sich selbst in Zusammenhang zu bringen (siehe Leitlinien für die Arbeit mit jungen und jungen Männern im Rahmen der Kommunalen Kinder- und Jugendhilfeplanung der Landeshauptstadt München). In gemischtgeschlechtlichen Zusammenhängen kooperiert mira seit Jahren mit erfahrenen Jungenarbeitern, die neben einer wertschätzenden Haltung zur Mädchenarbeit eine mit uns übereinstimmende Haltung zur geschlechtsreflektierten Arbeit einnehmen, methodische Kompetenz besitzen und ressourcenorientiert arbeiten.
Personen und Systeme konstruieren ihre je eigene Wirklichkeit. Somit gibt es nicht die Wirklichkeit, sondern eine Vielzahl von Wirklichkeiten. Wahrnehmung wird in eine brauchbare „Passung“ gebracht.
Die Konstruktionsperspektive betont, dass Geschlecht nicht etwas Naturgegebenes und Unabänderliches ist, sondern, dass es ständig in sozialen Interaktionen hergestellt wird. Was Frau-Sein oder Mann-Sein bedeutet ist damit stets von der Kultur und ihren Akteuren und Akteurinnen abhängig. Für die Angebotsplanung von mira bedeutet die Konstruktionsperspektive, dass die Bedürfnisse der Zielgruppe genau analysiert werden müssen und Lösungswege nur mit den Mädchen gemeinsam prozess- und kontextabhängig erarbeitet werden können.
Heute spricht man von ganzheitlichem Lernen, wenn Verstand, Emotionen und Körper im Methodensetting integriert werden. Das bedeutet den Lernprozess zu kontrastieren: sprachlich – nicht sprachlich; rezeptiv – entdeckend; Anstrengung – Entspannung; rational/analytisch – intuitiv/imaginativ; kognitiv – emotional; linkshemisphärisch – rechtshemisphärisch. Lernen bedeutet demzufolge die Vernetzung kognitiver und emotionaler Prozesse. Wissen, Erfahrungen und neue Muster in bezug auf Fühlen, Denken und Handeln lassen sich nicht direkt vom Lehrenden zum Lernenden übertragen. Lernen wird individuell aufgebaut und strukturiert. Bildung ist ein selbstgesteuerter Aneignungsprozess. Die TeilnehmerInnen sind am Erfolg und an der Qualität dieses Prozesses maßgeblich beteiligt.
Parteiliche Mädchenarbeit bedeutet für uns, Mädchen in ihrer Person und Weltsicht ernst zu nehmen, sich auf deren Bedürfnisse und Fragestellungen einzulassen sowie die kritische Analyse der gesellschaftlichen Verhältnisse und Lebensbedingungen zum Ausgangspunkt unserer Arbeit zu machen, in unsere Arbeit mit einzubeziehen und damit verbunden Lobbyarbeit für die Bedürfnisse der Mädchen und jungen Frauen zu betreiben.
Parteiliche Mädchenpolitik bedeutet, die Interessen von Mädchen und jungen Frauen auf politischer bzw. verwalterischer und planerischer Ebene zu vertreten, so zum Beispiel in den Planungs- und Entscheidungsgremien der Kinder- und Jugendhilfe. Sie umfasst alle relevanten sozialen Bereiche und basiert auf fortlaufenden Erkenntnissen aus der feministischen Mädchenarbeit – zusammengetragen von in der Praxis tätigen Fachfrauen. Die in der Mädchenpolitik engagierten Frauen sind vorwiegend im Rahmen ihrer Arbeit sowie ehrenamtlich in den Städten, aber auch länder- und bundesweit über Facharbeitskreise, Facharbeitsgemeinschaften, Dacharges etc. vernetzt. In der Mädchenarbeit engagierte Fachfrauen regen fortlaufend aktuelle fachpolitische, theoriegestützte und kontroverse Diskurse mit dem Ziel an, die feministische Arbeit mit und für Mädchen und jungen Frauen weiterzuentwickeln. Verstehensprozesse werden dabei immer neu hergestellt.
Unterstützt wird die Mädchenpolitik von Politikerinnen auf Bundes- und Länderebene.
Ziel ist die absolute Gleichstellung beziehungsweise Chancengleichheit aller Mädchen und Frauen in ihren unterschiedlichsten Lebenslagen. Oberstes Ziel ist dabei die fortwährende Hinterfragung von Machtstrukturen jedweder Art und die Unterbindung von Fremdherrschaft – ausgeübt über Diskriminierungen jeglicher Art.
Der Fokus liegt auf den Strukturen, die männliche Gewalt gegen Mädchen und Frauen ermöglichen. Damit verbunden sind alle Faktoren – und somit auch Frauen und deren Haltungen und Handlungen – die an der Aufrechterhaltung von patriarchalen Mechanismen beteiligt sind. Diese Perspektive hebt den reinen Opferstatus von Frauen auf. Für mira bedeutet dieser Ansatz, aufmerksam und reflektierend diese Strukturen und Mechanismen und die eigene Beteiligung wahrzunehmen.
Muster sind Denk - und Handlungsprogramme von Persönlichkeitssystemen und sozialen Systemen. Sie steuern Denken, Erleben, Kommunikation, Interaktion, Handeln, Wertüberzeugungen und Prioritätensetzungen, Deutungen, Konfliktverhalten und Formen der Problembewältigungen.
Die Aufgabe sozialer Arbeit ist es, Menschen Teilhabemöglichkeiten an den sozialen, kulturellen, materiellen und ökologischen Gütern einer Gesellschaft zu ermöglichen. Erst durch grundlegende Teilhabemöglichkeiten lassen sich existentielle menschliche Bedürfnisse befriedigen. Die humanistische Psychologie spricht von
Erst durch gerechte Teilhabemöglichkeit sind die Voraussetzungen für ein sinnhaftes und (partiell) gelingendes Leben sowie für ein friedliches Zusammenleben gegeben.
In den Seminaren und Projekten von mira gehen wir gezielt den Fragen nach, welche Bereiche gesellschaftlicher und politischer Partizipation für junge Frauen verwehrt und erschwert werden.
Die Lebensbedingungen von Mädchen und Jungen sind aufgrund der jeweiligen individuellen Leistungsfähigkeit, der Staatsangehörigkeit, des unterschiedlichen Aufenthaltsstatus, der gesellschaftlichen Eingebundenheit, der materiellen Lebensgrundlage, auf Grund von unterschiedlichen Behinderungen und Fähigheiten, sowie der sexuellen Identität verschieden. Neben der geschlechtsspezifischen Differenzierung muss diesen Bereichen querschnittsmäßig ebenfalls Rechnung getragen werden.
Ressourcenorientierung als didaktisches Prinzip richtet das Augenmerk darauf, welche Ressourcen bei den einzelnen Teilnehmerinnen wie auch in der Gruppe und den darauf bezogenen Kontexten vorhanden sind, um die entsprechenden Anliegen, Probleme und Inhalte zu bearbeiten. Für die Bildungsarbeit von mira bedeutet Ressourcenorientierung an den Fähigkeiten und Kompetenzen der Mädchen und jungen Frauen anzusetzen, diese ins Bewusstsein zu rücken und somit das Selbstbewusstsein und die Veränderungspotentiale zu stärken.
Soziale Gruppenarbeit wird als Praxismethode verstanden, die sich auf Erfahrungen und Theorieanteile unterschiedlicher Disziplinen (Psychologie, Soziologie, Sozialpsychologie, Rollentheorie und Kleingruppenforschung) stützt. Im Vordergrund der Beschäftigung stehen Gruppenphasen, Diagnose, Konflikte, Strukturen, Rollen, Normen und Werte sowie Entscheidungsfindung. So zielt Soziale Gruppenarbeit auf Verhaltensänderung beispielsweise in Form konstruktiver Konfliktbewältigung und Beziehungsfähigkeit.
Selbstbehauptungstraining ist ein eigens von Frauen für Frauen und Mädchen entwickeltes Trainingsprogramm, das Selbstbehauptung, eindeutige Grenzziehung, Verhaltenserweiterung, Abwehrtechniken und altersgerechte Reflexion der weiblichen Rolle in der Gesellschaft umfasst.
Als systemische Therapie wird eine psychotherapeutische Fachrichtung beschrieben, die systemische Zusammenhänge und interpersonelle Beziehungen in einer Gruppe als Grundlage für die Diagnose und Therapie von seelischen Beschwerden und interpersonellen Konflikten betrachtet. Für die Bildungsarbeit von mira bedeutet der systemische Ansatz den Einbezug aller Beziehungen und Strukturen (Klassengemeinschaft, familiäre Situation, gesellschaftliche Strukturen) innerhalb derer die Mädchen leben, um mit ihnen adäquate Ziele und ökonomische Lösungen erarbeiten zu können.
Teilnehmerinnenorientierung als didaktisches Prinzip besagt, dass im Rahmen von Bildung nicht lediglich neues Wissen vermittelt werden soll, sondern dass Erfahrungen, Einstellungen, Emotionen, Betroffenheiten, Werthaltungen, Deutungsmuster, Lernerfahrungen sowie spezifische Ausgangslagen der Teilnehmerinnen in den Bildungsprozess eingebunden werden sollen.
In den westlichen Gesellschaften gilt die Gleichberechtigung im Allgemeinen als vollzogen und als Zeichen für Fortschritt. Existierende geschlechtsspezifische Ungleichheiten werden deswegen eher unterschätzt und im Zuge der allgemeinen Gleichheitsrhetorik verdeckt. In ihrem Selbstverständnis erleben sich die meisten Mädchen dementsprechend als emanzipiert und gleichgestellt und im Vergleich zu Jungen als nicht benachteiligt. Erfahrene Ungleichheit wird von ihnen als subjektives Versagen gewertet und nicht zum Ausdruck gebracht.
Vernetzung innerhalb fachpolitischer Gremien der Mädchenarbeit ist ein Schwerpunkt unserer Arbeit. Ziele der Vernetzung sind Ermittlung und Veröffentlichung neuer Bedarfslagen in der Mädchenarbeit, Lobbyarbeit für die Belange der Mädchen und jungen Frauen, die Zusammenarbeit im Sinne gemeinsamer Ressourcennutzung und gemeinsamer Projekte sowie die Qualitätssicherung und Weiterentwicklung fachlicher Standards der Mädchenarbeit.
Es gibt eine Vielfalt weiblicher Lebenslagen, Lebensentwürfe, subjektiver Bewältigungsformen und Selbstbilder. Es gibt nicht die Mädchen als homogene Gruppe, sondern sehr viele unterschiedliche Mädchen, deren Lebenswelt durch ihre ethnische oder ihre Schichtzugehörigkeit, ihre sexuelle Identität und ihre unterschiedlichen Fähigkeiten geprägt ist.
Für die Bildungsarbeit von mira bedeutet Vielfalt die Offenheit und Bereitschaft mit den unterschiedlichsten Lebensentwürfen konstruktiv umzugehen.
Die Differenz unter Mädchen ist größer geworden und das Geschlecht ist nicht mehr der einzige Bestimmungsfaktor für die Lebenslagen von Mädchen. Mädchen sind nicht zwangsläufig oder ausschließlich aufgrund ihres Mädchenseins in der gleichen Lebenslage benachteiligt. Zwischen Mädchen existieren Benachteiligungs- oder Privilegierungsunterschiede durch die Zugehörigkeit zu einer Mehrheits - oder Minderheitenkultur, durch soziale Zuordnungen wie Ethnie, Schicht, Religion oder Region, durch den Zugang zu Ressourcen wie Bildung, Geld, sozialem Status oder Erwerbsarbeit.
An Modellen lernen, sich an Vorbildern und Identifikationsfiguren orientieren, findet in Lern- und Entwicklungsprozessen statt. Menschen streben bestimmte Inhalte an, wenn sie so werden wollen wie die Person, mit der sie sich identifizieren. In der geschlechtsreflektierten Arbeit wird dies bewusst als Methode eingesetzt. Für die Pädagogin heißt das, sich selbst ihrer Vorbildfunktion bewusst zu sein und Bewusstheit im Umgang sowohl mit dem eigenen als auch mit dem anderen Geschlecht zu haben. In der Arbeit ermuntert die Pädagogin Mädchen und junge Frauen, sich ihrer Geschlechtsidentität bewusst zu werden, sie zu erweitern und unreflektiert Übernommenes zu hinterfragen. Insgesamt ist es wichtig, vielfältige Modelle für weibliche Lebensgestaltung, Bewältigungs- und Lebensformen anzubieten, um damit der Unterschiedlichkeit der Mädchen gerecht zu werden.
mira begegnet den Mädchen mit einer Haltung des Respekts, der Unvoreingenommenheit, mit Interesse und der Wertschätzung bisheriger Lebensstrategien. Respekt vor der Autonomie der Mädchen, Neutralität und Neugierhaltung, Zuhören, Nutzung vorhandener Ressourcen und Kompetenzen sind Haltungen, welche die Arbeit von mira prägen.