Zweigeteiltes Bild: Links malt ein Mädchen mit kräftigen Acrylfarben ein schönes Portrait von sich, rechts blickt eine junge Frau mit ausdrucksstarken Augen selbstsicher frontal in die Kamera.

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Schreiben

Schreibwerkstatt

Mädchen* schreiben Tagebücher, Kurzgeschichten und Gedichte; manche sogar Romane. Und kaum jemand außer der besten Freundin oder der Deutschlehrerin bekommen diese Werke zu Gesicht. Aus diesem Grund entwickelte mira die Schreibwerkstatt „schreib’s auf“.

Ziel war es, Mädchen* in ihrem Wunsch zu schreiben zu unterstützen, sie zu fördern und ihnen darüber hinaus eine Öffentlichkeit zu verschaffen, der sie ihre Texte präsentieren können. An vier Münchener Schulen leitete Britta Loebell, langjährige Schreibwerkstättenleiterin, die Schreibkurse an.

Aus den zweiundzwanzig eingereichten Texten wurden die drei Besten von einer Jury ausgewählt und prämiert. Am 22. Juni 2006 fand in der Glockenbachwerkstatt die Lesung und Buchpräsentation statt. Für die Mädchen* der siebten bis neunten Klasse war es sehr aufregend, ihre Texte in einem kleinen Büchlein wieder zu finden.

Das Büchlein mit dem Titel „schreib’s auf“ ist bei mira für 5,- € erhältlich.


Rückkehr

1. Platz | Text von M. M.

Der gelbschimmernde Sand, knirscht unter meinen abgenutzten Schuhen. Kleine Schweißperlen bilden sich auf meiner blassen, von meinem gebleichten Cowboyhut bedeckte, Stirn. Die Sonne scheint erbarmungslos auf meinen schlanken Körper. Eine Eule schreit im Wald. Der tiefblaue Bach rauscht an unserer Ranch vorbei hinunter ins sonnenüberflutete Tal. Ein hellbrauner Fuchs sitzt an dem vom Fluss ausgehöhlten Ufer und trinkt gierig das kühle Wasser. Eine leichte Brise, die die Blätter der Bäume und das saftig grüne Gras der Wiesen zum Tanzen bringt, streichelt über meine gleichmäßig gebräunte Haut. Eine wohltuende Gänsehaut überzieht mich. Ein Gefühl von Glück und Zufriedenheit, ein Gefühl des Heimkommens durchströmt mich und breitet sich langsam in mir aus. Unser grauer Hund döst im Schatten. Seine Ohren halten die lästigen Fliegen ein wenig fern. Stallgeruch kitzelt meine Nase. Ich muss lächeln. Vorsichtig setze ich einen Fuß in meine Kindheit. Die Holzbalken ächzen. Wundervolle Erinnerungen an vergangene Tage überwältigen mich, als ich hinein gehe. Ich spüre eine Träne in meinem Augenwinkel. Aber ich lasse sie dort, denn sie ist keine Träne des Trauerns. Nicht mehr. Jetzt ist sie eine des Glücks.

Er hat mich nicht vergessen. Seine lautstarke Begrüßung sagt alles. Es ist wie Honig für meine Ohren. Wie lange habe ich diesen wunderschönen Klang nicht mehr gehört? Eine Bewegung lässt mich aus meinen Träumen erwachen. Ich erblicke eine Katze auf dem Heuboden. Sie sitzt im Stroh und ist mucksmäuschen still. Ihre smaragdgrünen zu Schlitzen verengten Katzenaugen blitzen bedrohlich auf. Sie ist auf Jagd. Wieder raschelt etwas. Ihre orange getigerten Ohren zucken. Ich halte den Atem an. Gleich setzt sie zum tödlichen Sprung an. Ihr langer dünner Schwanz peitscht hin und her. Jetzt!!!!! Ein kurzes Quietschen, und es ist vorbei. Auch dieses Szenario löst ein Gefühl der Geborgenheit aus.

Ein Strohhalm pickst mich in mein Bein, aber das ist mir im Moment egal. Ich gelange an seine Tür. Ich strecke vorsichtig meine Hand nach ihm aus und berühre das samtig weiche Fell. Es ist warm. Er pustet mir zärtlich in meine Handfläche. Wie sehr ich ihn vermisst habe. Die Träne rollt langsam meine Backe hinunter. Sie streift meinen Mundwinkel. Als sie an meinem Gesichtsrand ankommt, stoppt sie für einen Moment und fällt dann schließlich auf den staubigen Boden. Ein schwarzer Punkt befindet sich neben meinem dunkelbraunen Cowboystiefel. Ich nehme meine Hand von seiner Schnauze weg und lege sie behutsam auf den Griff. Wie oft habe ich sie schon aufgemacht? Wie oft habe ich mir in meinen Träumen vorgestellt, es wieder zu tun? Und jetzt endlich ist es so weit. Ich drücke den Griff hinunter und schiebe die Tür auf die Seite. Sie quietscht dabei, als hätte man sie seit Jahren nicht mehr geöffnet. Ich setze einen Fuß ins hellgelbe Stroh und gehe langsam an ihm entlang. Währenddessen streiche ich ihm über seinen beigen Hals, weiter über seinen Rücken. Seine helle Mähne kitzelt meinen Arm. Er zuckt unter meiner Berührung. Er weiß, was kommt. Er wusste es schon immer. Ich gehe einmal um ihn herum und gelange wieder zu seinem wunderschönen Kopf. Ich lege Meinen an den Seinen und genieße mit ihm unsere Wiedervereinigung. Nach all den Jahren. Ich hätte es nicht so lange dauern lassen dürfen. Ich hätte mich schon früher von Mike losreißen sollen. Aber ich will jetzt nicht an ihn denken. Ich habe es schon viel zu lange und zu oft getan. Er hat mir fast meine ganze Kraft genommen. Nein, Mike ist endlich Vergangenheit. Und er versteht, wie immer. Nach einer kleinen Ewigkeit, löse ich mich vom ihm und gehe den schmalen Gang entlang, zu der weißen abgenutzten Tür. Ich mache sie auf und blicke in die Kammer. Sie ist genau so, wie ich sie verlassen habe. Nur hat Mum geputzt, wie immer! Automatisch greife ich in mein Fach, und mache mich wieder auf den Weg zurück zu seiner Box. Ich stoppe mitten in der Bewegung. Unsere Blicke treffen sich. Er schaut mich aus seinen großen, klugen und schwarzen Augen an. Ich spüre wieder die kleine Träne in meinem Augenwinkel. Wie konnte ich ihn so lange nur alleine lassen? Aber jetzt wird sich alles ändern. Und er hat verstanden. Wie immer. Ich putze ihn lange und ausführlich, fege jeden noch so kleinen Staubkorn aus seinem glänzenden Fell. Wir beide genießen es. Ich werde ihn ohne Sattel reiten, wie damals auf unserem ersten Ausritt. Ich lege ihm nur die neue Trense an. Ruhig steht er vor mir. Er sieht genauso aus wie immer. Er hat sich nicht verändert. Meine Augen gleiten über seinen perfekten Körper. Er ist so einzigartig. Er ist das Beste, was mir je passiert ist. Aber warum muss man die Dinge, die einem wichtig sind, erst vernachlässigen um zu begreifen, dass sie wertvoller sind als irgendetwas anderes auf der Welt. Aber wieder versteht er es. Er hat es immer getan. Er schaut mich an. Ich weiß, ich kann es selber kaum noch erwarten. Ich führe in raus auf den Hof. Seine Hufe klappern auf dem Steinboden. Ich steige auf. Ich spüre ihn so, als wäre er ich. Nur ein kleiner Impuls und er weiß. So wie er es immer getan hat. Ohne Sattel, langer Zügel und nur Er und Ich. So reite ich in mein Neues und zugleich auch altes Leben, das ich nie wieder verlassen werde.

  • Wie ich heiße? M. M.
  • Wie alt ich bin? 14
  • Wo ich geboren bin? In München/Taxisklinik
  • Wo meine Eltern geboren sind? Meine Mum und mein Dad in München
  • Was ich gerne mag und was mir wichtig ist?
    Reiten, lesen, schwimmen, Rad fahren… Mir ist meine Familie sehr wichtig und meine Freunde.
  • Was ich gerne lese?
    Pferdegeschichten, Fantasy-Romane, Kriminal- und Liebesromane.
  • Meine Vorbilder?
    Meine Eltern, weil sie das erreicht haben, wovon manche träumen. Sie mussten aber auch sehr hart dafür arbeiten.
  • Wie ich in zehn Jahren leben möchte?
    In einem Haus, mit zwei Kindern (mit 24 erst ein Kind), einem Ehemann, einem Pferd, Hunden, Katzen und auf dem Land.